2007Überraschungsfahrt 2007

Schon Ende 2005 hatten wir uns Gedanken über unsere Fahrt 2006 gemacht, lange wurde überlegt wohin und wie. Da wir alle von der Jubiläumsfahrt begeistert waren, entschlossen wir uns, auch 2006 in die Camargue zu fliegen, und die tolle Tour von Carnon aus zu wiederholen.

Soweit der Plan.

ÜBERRASCHUNG!!!!
Am Dienstag den 18. April erreicht Cake ein Anruf vom Reisebüro mit der Information, dass uns das Tarpoon 42 in Carnon am Samstag nicht zur Verfügung stehen würde! Alternativ bot man uns das gleiche Boot in Homps an. So weit so gut.
Es war nur die Frage zu klären, wie die Yachting Crew Millennium, also 10 Mann, von Montpellier nach Homps kommen würde, da die Anreise mit dem Flugzeug war und nicht wie sonst immer mit Pkws.
Der Stand am Freitag war folgender, wir bekommen am Flughafen Montpellier ein oder zwei Mietautos übergeben, die wir selbst nach Homps fahren würden und stellen die Fahrzeuge dort ab,
fahren dann mit einem Tarpoon 42 in Einwegfahrt von Homps nach Carnon und liefern das Boot am Samstag dort ab.
Alles klar soweit.

Samstag, 22.April

Dieser wundervolle Ausflug begann am Samstag den 22. April morgens um 10 Uhr. Nach und nach trafen alle Mitfahrer bei Cake ein um das letzte wirklich gute Frühstück zu sich zu nehmen. Es gab frische Brötchen, von Hortie und Heike, Hausmacher Wurst und Rührei mit Speck. Alle futterten so viel wie möglich, um den Geschmack der Heimat möglichst intensiv aufzunehmen. Natürlich hatten auch einige Flaschen gutes deutsches Bier ihren Weg zum Magen gefunden. Zur Mittagszeit war der Bus bestellt, doch vorher mussten noch ein paar Zweifler ihre Taschen wiegen. Hortie hatte sich sein Mädchen an die Haustür bestellt, um seinen Koffer bis zum Bus fahren zu lassen, er war das erste Weichei 2006! Im Zuge der Kofferverladung kam es dabei auch bei einigen anderen Kameraden zu  Gewissenskonflikten bezüglich der Frage Tragen oder Nicht-Tragen.
Sascha hatte wirklich gute Arbeit geleistet, der Bus stand bereit. Es wurden noch ein paar wichtige Einkäufe getätigt (Bier, Playboy, Penthouse) und schon ging es auf die Autobahn. Der Fahrer hatte es entweder besonders eilig, oder er war auf der Flucht, jedenfalls waren wir trotz Pinkelpause in Rekordzeit in Hahn.
Leicht zitternd stiegen wir aus und gaben dem Fahrer unser ganzes Kleingeld, als Dank für die schnelle und sichere Überfahrt.
Die Koffertrolleys wurden beladen und wir schauten erstmal wo unser Schalter war, danach hatten alle wieder dieses altbekannte brennende Gefühl in der Halsgegend und wir machten uns auf zum Bitstop. Hortie und Satchmo hatten sich als Fahrer freiwillig gemeldet und bekamen nur Cola und Wasser.
Da wir verreisen wollten, wurde es Zeit um sich in die lange Warteschlange des Check-In einzureihen, es ging wieder schneller als vermutet. Einige von uns waren noch nicht soweit und mussten schleunigst herbei gerufen werden. Satchmo schaffte mit seinem Koffer ein Punktlandung, 15 kg!, der Bordälteste überzog leicht konnte dies jedoch locker überspielen. Nach diesen Strapazen waren alle wieder bereit für einen feinen, kalt zubereiteten Hopfentee.
Irgendwann war dann doch die Zeit Abschied zu nehmen und wir begaben uns zur Sicherheitskontrolle, dieses Mal hatte niemand eine Bombe oder wenigstens ein Taschenmesser dabei, Wetzel war noch einigen Damen behilflich, die schon leicht promillemäßig unterwegs waren.
Alle Fluggäste nach Montpellier stellten sich in die Warteschlange zum Boarding nur die Yachting Crew Millennium war nicht von der Bar wegzubringen. Erst als keiner mehr in der Schlange stand waren Wetzel, Vollie, Stribbel, Alter, Scampy und Cake bereit den tollen Platz an der Bar aufzugeben.
Die letzten freien Plätze im Flieger waren für uns, Wetzel und Alter fanden doch tatsächlich Platz neben zwei Mädels und hatten dann auch keine Mühe gescheut und betrieben fleißig Konversation.
Derzeit bahnte sich einige Sitzreihen vorne ein Drama an. Satchmo wurde es plötzlich übel und zu aller Nachbarn Freude entledigte er sich schnell und endgültig der vorher vertilgten Pommes und des Hamburgers. Alle machten sich davon, nur Stribbel hielt die Stellung nicht ohne die notwendigen Kommentare abzuliefern. Die Stewardessen waren äußerst bemüht um Satchmo und wie es schien wollte es dem einen oder anderen auch schnell übel werden.

ÜBERRASCHUNG!!!!
Wie nett die Stewardessen sein können wenn Alkohol nicht Grund ist wenn man den Nachbarn eben gerade voll gekotzt hat.


Wir landeten pünktlich um 17:15 Uhr in Montpellier, alle raus und Koffer suchen. Als wir alle Koffer / Taschen hatten, begaben wir uns auf die Suche nach den Herren die uns die Mietautos übergeben sollten. Nach einiger Zeit konnten wir diese auch finden und nach  viel Palaver gingen wir nach draußen, um die Fahrzeuge zu übernehmen und uns auf den Weg nach Homps zu machen.

Soweit der Plan.

ÜBERRASCHUNG!!!!
Die Herren waren mit drei Fahrzeugen gekommen und machten uns jetzt klar dass die Fahrt nicht nach Homps ginge sondern nach Agde und
das wir nicht selbst fahren müssten sondern dass sie uns hinbringen würden!
Also keine Einwegfahrt sondern Start in Agde praktisch der Mitte unserer ursprünglich geplanten Reise.
Alles  klar soweit.

Das war neu und überraschend, die Herren von FVV waren sehr freundlich und hilfsbereit, nach Klärung der Einzelheiten wurden die Koffer verladen und es ging Richtung Supermarkt.
Hier trennten wir uns, ein Teil machte sich auf den Weg zum Hafen um das Boot zu übernehmen. Alle anderen waren an den umfangreichen Einkäufen beteiligt und brachten es fertig nichts zu vergessen.
Im wohlbekannten Hafen von Agde konnten wir nach Absprache mit dem Hafenmeister unser Boot übernehmen, wir machten den Herren von FVV klar, dass wir am nächsten Samstag unbedingt abgeholt werden mussten, da wir nicht bereit waren die Kosten des Transfers zum Flughafen zu tragen. Hier war der Bootsverleiher sehr hilfreich und regelte in unserem Sinne alle Angelegenheiten. Er schenkte uns sogar noch eine Flasche Rotwein, hatte er gesehen dass wir durstig waren?
Nach einer kurzen Einweisung hätten wir losfahren können, jedoch hieß es auf die Kameraden vom Supermarkt zu warten.
Kurz nach 19:00 Uhr erreichte der Proviantwagen den Hafen und mit vereinten Kräften entluden wir die Getränke und das restliche Zeug. Scampy und Cake machten sich sogleich daran, das verdiente und heiß ersehnte Abendessen zuzubereiten, uns war mittlerweile klar, dass wir an diesem Abend nicht mehr auslaufen würden. Es gab Nudel mit Bolognesesauce, das Beste was man bei Heißhunger essen konnte.
Alle waren froh wieder an Bord eines Tarpon 42 sein zu dürfen, und die Stimmung begann zu steigen.
Es hatte sich wohl zu einer Tradition entwickelt, denn Scampy und Stribbel bekamen zu Ehren ihrer 10. Fahrt ein Traditions- T-Shirt von Vollie überreicht. Jetzt hatte die Stimmung ihren Höhepunkt erreicht und im Laufe des Abends wurden 5 Ltr. Rotwein, 1 Fl. Whisky und Averna nebst etlichen Dosen Bier vertilgt. Spät nachts tat der Alkohol seine Wirkung und einer nach dem anderen schlüpfte selig in seine Koje.

 

Sonntag, 23.April

Dieses sonntägliche Frühstück wurde von Stiffel und Hortie zubereitet, einmalig in dieser Konstellation, und das schon ab 08:00 Uhr morgens. Dass um diese Zeit natürlich kaum jemand im Stande war etwas Festes zu sich zu nehmen war klar. So nach und nach kamen die Jungs aus ihren Betten, Chris, Cake und Alter versagten völlig.
Die besorgten Kameraden schauten nach einer Stunde mal nach und fanden unseren Bordältesten auf einem durchgebrochenen Bett liegend. Da er selig schlummerte gab es keine Notwendigkeit ihn zu wecken.
Chris erwachte von selbst und kam mit seinem verschmierten T-Shirt aus der Koje. Tja da ist wohl in der Koje was Unangenehmes passiert! Schnell wechselte er sein Outfit und behob die Sauerei. Das Ganze konnte Cake nicht mitbekommen da er erst Stunden später aus seinem persönlichen Koma erwachte.
Satchmo fühlte sich in dieser Zeit von einem Reinlichkeitsgefühl übermannt und begann die Kombüse sauber zu machen.

Es herrschte Sonnenschein und warme Temperaturen lockten die Crewmitglieder an Deck, die Fahrt durch den Canal du Midi war wunderschön und abwechslungsreich, feine Mischgetränke wurden gereicht und auch dem Bier, in den schnuckeligen kleinen Flaschen, wurde kräftig zu gesprochen. Am Nachmittag erreichten wir dann endlich die Terassenschleuse in Fonserranes.
Hier war, wie im letzten Jahr, ein großer Menschenauflauf, Hortie, Cake und Wetzel gingen schon mal an die Schleusen sich das Spektakel anschauen und die restlichen legten das Boot in der Reihe der anderen Boote hinten an. Es sollte ein langer Nachmittag an der Schleuse werden! Einige von uns halfen noch beim Schleusengang anderer Boote um das Ganze etwas zu beschleunigen
Leider umsonst, um 17:30 Uhr zeigte uns die Schleusenmanagerin an, das für heute Schluss war. Feierabend.

ÜBERRASCHUNG!!!!
So locker wie unsere französischen Nachbarn in ihrer Lebensweise auch sei mögen, es interessiert sie nicht die Bohne, wie viele Boote noch vor
einer Schleuse stehen, wenn es Zeit ist Feierabend zu machen!

Na prima! Da standen wir an einem ungünstigen Anlegeplatz und waren verärgert, weil alles ein wenig schneller hätte gehen können, wenn nicht die ganzen Amateure gleichzeitig vor dieser Schleuse aufgekreuzt wären.
Also begannen wir unser Abendessen direkt auf dem Weg neben unserem Boot zu grillen. Die vorbeilaufenden Fußgänger genossen nicht nur die Düfte unsres Mahls, sondern auch die netten Bilder in unserem Boot.
Der Grill wurde auf dem Landungssteg, der zwischen zwei Stühlen hing, aufgestellt und von Stribbel, Stiffel und Wetzel fürsorglich und mit viel Bier versorgt.
Es gab an diesem Abend Steaks, Bauchlappen, Grillwürste und einen Zucchini-Tomaten Auflauf mit Käse, dazu aller feinste Bratkartoffel.
Vor und hinter uns lagen Boote mit italienischer Mannschaft, die sicher unser leckeres Menü rochen und denen das Wasser im Mund zusammenlief!

Chris wurde später aus irgendeinem Grund in Jööörg umgetauft, er trug es mit Fassung.

Vollie hatte auf dieser Fahrt einen mobilen DVD - Player dabei und Satchmo zufälligerweise einige DVD - Filme und so ergab es sich spät abends, dass noch ein kleiner Filmevent durchgezogen wurde.
Die Hälfte der Mannschaft lag zu dieser Zeit schon erschöpft im Bett.

Die letzten Fünf spielten noch ein wenig Schnauz, bis nach 2:00 Uhr, als sich zu später Stunde ihre Anzahl um 2, Hortie und Jörg (Chris), erhöhte. Scampy, der unverwüstliche hatte dann doch irgendwann Schwierigkeiten die Pinkelleiter zu ersteigen und schlich sich ab in seinen Stall.

Dann war Ruh im Boot!

 

Montag, 24.April

Noch vor dem Frühstück ging Stribbel auf Entdeckungstour ins nahe gelegene Dörfchen Fonserannes. Ihm dicht auf den Fersen waren Hortie und Alter. Als erstes wach war aber Chris, der kurz darauf mit seiner Beute zum Boot zurückkehrte, 10 Brote!
Etwa eine halbe Stunde später war Stribbel zurück und hatte auch Brote gekauft, 13 Stück! Durch seine Rückkehr hatte Wetzel endlich die erhoffte Verstärkung und konnte nun endlich richtige Frühstückseier und Kaffee machen.
Bange wurden die beiden anderen Pfadfinder zurück erwartet, womöglich hatten sie auch daran gedacht Brot zu kaufen. Doch "Gott sei Dank " hatten sie keinen Gedanken daran verschwendet und waren ohne etwas zurückgekommen. 23 Weißbrote waren auch mehr als genug.
Nach dem wunderbaren Frühstück mit reichlich Brot begannen wir das Boot startklar zu machen um endlich diesen Berg hochzukommen. Die italienische Bootsmannschaft vor uns hatte auch Frauen an Bord was uns nicht überraschte, denn wären die Damen nicht dabei gewesen hätte niemand das Boot in die Schleuse gefahren und das Boot gesichert. Richtige Machos waren sie und überließen die ganze Arbeit ihren Begleiterinnen. Der Schleusengang ging recht zügig vonstatten und man sah der Schleusenwärterin an, dass sie aufgrund der gestrigen katastrophalen Performance der Bootsmannschaften, heute ein das gleiche Desaster erwartet hatte. Unsere Begleiter, wie auch die Zuschauer waren rege an unseren Schneckenbildern interessiert.
Locker schipperten wir aus der der letzten Schleuse raus und fuhren den Canal du Midi entlang Richtung Colombiers. Es war ein schöner Tag, die Sonne schien, die Musik war toll und das Bier war warm. Es ging uns richtig gut. Da keine Schleuse mehr kam, waren wir schnell in Capestang.
Die Vorräte gingen zur Neige, es musste eingekauft werden. 7 Mann meldeten sich für diese schwierige Aufgabe und gingen los, um einen Supermarkt zu suchen. Wie wir mittlerweile wussten, waren die Läden montags erst nach 14:00 Uhr geöffnet, also hielten wir Ausschau nach einer Bar oder ähnlichem.
Schnell war das Geeignete gefunden und wir bestellten erstmal für jeden ein Gedeck, zu dem sich später noch ein zweites gesellte.
Im Supermarkt konnten wir dann aufgrund unserer professionellen Arbeitsteilung schnell und effektiv einkaufen, draußen auf dem Parkplatz stellte sich dann nur die Frage, wie der ganze Kram ans Boot zu bringen wäre. Cake hatte die Idee einfach dem Einkaufswagen mitzunehmen und das ganze Zeug ans Boot zu schieben. Gesagt getan, der beladene Einkaufswagen wurde von sechs Mann über Stock und Stein zum Boot geschoben und gehoben. Dort angekommen waren die Zurückgebliebenen von dieser genialen Idee hellauf begeistert.
Wir ließen den Wagen zurück, in der Hoffnung ein geschäftstüchtiger Einheimischer würde sich seiner schon annehmen.

Da uns die Stelle hier nicht gefiel, zu viel Publikum, schipperten wir weiter Richtung Westen bis nach Argeliers PK 172, es war eine schöne ruhige Ablagestelle. Unser Alter, Scampy und Cake kümmerten sich heute um die Küche, es gab Geschnetzeltes mit Reis und frische Salate. Bei Einbruch der Dunkelheit setzte ein lautes Froschkonzert ein, Satchmo äußerte den Verdacht das dies fi… Frösche wären.
Um wenigstens unsere Musik hören zu können, mussten wir die Anlage weit aufdrehen. In diesem Lärm begannen wir mit dem Abendprogramm, Satchmo spielte den Bierautomat und hatte alles unter Kontrolle.
Später wurde noch Schnautz gespielt, es war wieder die Zeit der Orakel und klugen Sprüche. Zitat Chris: „Es lohnt nicht wenn man stinkt“

 

Dienstag, 25. April

Unser Frühstückskaffe wurde an diesem Tag stilgerecht in Steingläsern serviert, Stiffel hatte sich eine eigene Kaffeeabfüllmaschine gebaut, und um den Kaffe auch warn zu halten, die Gläser mit Alufolie eingepackt! Sag da mal einer wir wären nicht erfinderisch.
Unser Bierautomat vom Vortag lag noch lange in der Koje, wir vermuteten das er erst noch befüllt wurde. Die Hälfte der Mannschaft kränkelte und die Medizin wurde in großen Steingläsern verabreicht.
Pünktlich um 10:33 Uhr begann unsere Rückfahrt mit Stiffels fachmännischen Wendemanöver. Das tolle Wetter trieb die Mannschaft an die frische Luft, wir verteilten uns auf Vor- und Achterdeck und genossen die Sonne, Musik und Getränke.
Satchmo schien die Sonnenstrahlung eher zu belasten, er meldete sich ab und belegte einer seiner berühmten kalten Platten. In Colombiers wurden wir vom aufgeregten Hafenmeister von unserem Anlageplatz verscheucht und Scampy musste rückwärts an der Pier anlegen. Hier wären wir gerne einkaufen gegangen, hätten nur die Läden geöffnet! Da dies nicht möglich war (Mittagsruhe), hielten wir Ausschau nach einer Duschmöglichkeit und einem Getränkestand. Beides hatten wir schnell gefunden und ein Teil machte sich von Außen frisch,  ein Teil von Innen. Als später alle geduscht waren und richtig gut rochen, bekamen wir unsere Belohnung in Form von eisgekühltem Lumumba. Ach war der herrlich!
Gut gelaunt verließen wir Colombiers, um noch ein Stück Richtung Fonserannes zu fahren, Scampy hatte wieder das Ruder übernommen. In der engen Flußbiegung bei Gourgasse hatten wir eine gefährliche Begegnung mit einer Armada italienischer Boote, die genauso sorglos wie wir unterwegs waren.

Überraschung!
Überraschend ist das ein Fahrzeug mit italienischer Besatzung als erster bremst!

Nur mit einer maritimen Vollbremsung konnte der Zusammenstoß verhindert werden, die italienischen Boote mussten aufpassen, dass sie sich nicht mit einander verkeilten. Unter lautstarkem, freundlichem Austausch von Bemerkungen schoben wir unsere Boote aneinander vorbei. Wenn wir gewusst hätten wie sie sich bei der WM verhalten würden, hätten wir sie geentert.
In Fonserannes reihten wir uns in die Linie der wartenden Boote ein und machten für die Nacht fest.
Nach dem Abendessen zeigte uns Scampy noch das es für Männer nicht möglich ist, kniend eine Streichholzschachtel mit der Nase umzustoßen. Als wir endlich alle mal probiert hatten, machte sich die Crew für den Landgang schick. Wir wollten mal rüberlaufen nach Beziers, um ein paar Bierchen in gemütlicher Atmosphäre zu trinken. Wetzel nutze die Gelegenheit unsere Aufkleber im Ort zu verteilen, kein Schild war sicher auch ein Campingbus bekam was ab. Die Suche nach einer offenen Dorfschänke gestaltete sich schwieriger als gedacht, es schien, dass der letzte Krieg noch nicht lange vorbei war. Nach einem nächtlichen Marsch durch das örtliche Getto, wurden wir von einer blinkenden Leuchtreklame angelockt wie Nachtfalter. Amstel hieß das Lokal oder war es die Biermarke?
Auf jeden Fall drängten wir alle ins helle „Le King“ so hieß die Kneipe, Chris meinte es wäre eine Mischung aus „Blue Oyster Bar“ und „Titty Twister“. Jedenfalls waren wir die einzigen Gäste und die freundliche Dame/Herr fragte uns gleich nach unseren Wünschen. Das wir nur Bier wollten schien sie/ihn dann doch zu überraschen. Wetzel ließ sich nicht davon abhalten unsere Reviermarkierung anzubringen. Nach der dritten Runde hatten wir dann doch genug und machten uns auf den dunklen geheimnisvollen Rückweg. Auf dem Marsch waren wir uns einig, dass das Bier nicht geschmeckt hatte und zudem noch Harntreibend war.
Am Boot angekommen verschwanden alle schnell in den Kojen, wir wollten ja am nächsten morgen schon um 08:30 Uhr die Terrasse herunterfahren.

 

Mittwoch, 26. April

Früh am Morgen hatte Stiffel damit begonnen einen weiteren Kaffeefilter zu basteln, um die Herstellung von frischem Kaffee zu beschleunigen. Das Frühstück war kaum beendet als die Schleuse ihren Betrieb aufnahm, schnell waren wir drin und begannen den langen Weg ins Tal. Es dauerte über eine Stunde bis wir unten ankamen, das hatte Durst gemacht und genossen den Frühschoppen den wir verdient hatten.
Das letzte Hindernis, die enge Ausfahrt, wurde mit Bravour genommen und wir hatten wieder freie Fahrt. So dachten wir jedenfalls, kurz nach dem Aquädukt und der darauf folgenden Schleuse verwickelte sich ein großes Stück Schaumstoff in der Antriebswelle und blockierte diese.
Wir waren zwischen PK 208 und PK 209 antriebslos gestrandet.
Unser erfahrenes technisches Personal machte sich sogleich daran die Ursache zu beheben, der bordinterne Zugang zur Antriebswelle war noch gut bekannt und die Jungs begannen mit Messern den Ballast von der Welle zu schneiden. Derweil war das nautische Personal dazu verdammt zu warten und Bier zu trinken.
Nach etwa 2 Stunden war das Boot wieder fahrbereit, Stiffel hatte einen kalten Arm und wir konnten die Fahrt fortsetzen.
Wieder eine Erfahrung mehr!
Hortie versuchte dann die verlorene Zeit aufzuholen, wir mussten ja noch über den großen Salzsee um Stribbel abzusetzen. Wir rauschten an Villeneuve, Portiragnes und Vias vorbei, beachteten kaum die schöne Umgebung und konzentrierten uns voll auf das Ziel, doch es half nichts. An der Rundschleuse in Agde hatte ein vom Meer kommendes Boot Vorrang und unser Zeitplan, den wir bis dahin wieder aufgeholt hatten, war dahin. Vor der Schleuse Bagnas mussten wir anlegen und die Nacht verbringen. Es war die letzte Schleuse vor dem Etang de Thau!
Wetzel und Stiffel hatten am Grill soweit alles im Griff, aus unseren Erfahrungen vom letzen Grillabend wussten wir, dass man die Jungs nicht mit zuviel Bier überlasten durfte, also bekamen sie das Bier rationiert.
Es war dann wieder Spielzeit. Vollie präsentierte sein Bootsspiel, es hieß sinnigerweise „Bier“ und war ein richtiges Aktionsspiel mit viel Bewegung. Jeder kam mal dran, mal mehr mal weniger, es ging um 2-Finger-Bier und Killer. Satchmo lag lange Zeit aussichtsreich in Führung und hatte die ganze Zeit über ein siegessicheres Grinsen im Gesicht. Leider wurde er aber am Ende des Spiels noch von Hortie abgefangen und dann hatten alle genug Bier um eine Hausbrauerei einen Tag lang zu versorgen.
Spät am Abend versuchtes Chris uns noch ein Bootsspiel unterzujubeln, das mit Koordination zu tun hatte, aber das Interesse der Crew war eher mäßig und wir lauschten lieber wieder dem vertrauten Froschkonzert.

 

Donnerstag, 27. April

Frühstück!

Der Schleusenwärter erschien etwa gegen 09:30 Uhr und wir waren die ersten die durchbretterten, nur ein Ziel vor Augen, den See!
Die Überfahrt war ruhig und die Sonne schien uns auf das Haupt, anders als letztes Jahr beachtete Hortie die Navigationsanweisungen seiner Kameraden und passierte sicher den Tourelle Roquerols zum Etang des Eaux blanches hin. Hier wurde es etwas schwieriger die entsprechende Passage zu finden, was aber dann doch gelang.
Kurz nach Mittag erreichten wir Frontignan und mussten mal wieder an der Hebebrücke warten. Es bildete sich ein Einkaufstrupp um die notwendigen Ergänzungen an Proviant und Getränken vorzunehmen. Chris hatte dazu noch die Aufgabe für Stribbel die beste Verbindung nach Montpellier zu erfragen. In einem Dönerladen erhielt der Einkaufstrupp etwas zu Essen und die besten Informationen.
Bei ihrer Rückkehr war das Boot schon unter der Brücke durch und hatte rechtseitig angelegt, die Jungs mussten also über die Fußgängerbrücke laufen um ihre Beute abzuliefern.
Als Döner und Pommes vertilgt waren konnten wir noch einem holländischen Boot, das auf Grund gelaufen war, helfen, erst per Hand dann schleppten wir ihn doch mit dem Boot frei.
Mit dieser guten Tat im Kopf begannen wir die Bierreserven an Bord anzugreifen und den schmalen Kanal Richtung Osten zu fahren. Alle wollten ans Meer, deshalb suchten wir einen anständigen Platz, bei Aresquieres, der nicht allzu weit vom Meer entfernt war und legten an. Die Sachen waren schnell gepackt und die Crew war abmarschbereit. Der Fußmarsch zum Mittelmeer dauerte diesmal nur etwa 15 Minuten und schon konnten wir unsere heißgelaufenen Füße ins kühle Meer strecken.
Nach etwa 2 Stunden planschen und Steine schmeißen liefen wieder zurück zu unserem Boot, legten ab und  suchten einen Anlegeplatz für die Nacht. Es war etwas schwierig in diesem schmalen Kanal eine geeignete Stelle zu finden. Was uns aber dann bei Villeneuve de Maguelonne doch gelang.
An diesem Abend  passierte etwas das sich noch nie an Bord ereignet hatte! Es gab das zweite Mal Reis zum Abendessen.
Keine Meuterei oder Gemurre!
Alle waren mit Stiffel und Cakes Haschee mit Reis einverstanden, nur Hortie gefiel es nicht das am Ende alles in einem Topf landete.

Zum Ausklang waren dann auch noch 2 weitere Bootsspiele fällig, die mit viel Bier und Musik überstanden wurden.

 

Freitag, 28.April

Wieder Frühstück!
Es ging zurück nach Frontignan! Stribbel musste seinen Zug bekommen und wir mussten heute noch über den Etang. Also war etwa mehr Eile geboten als sonst. Wir waren rechtzeitig in der Stadt angekommen. Stribbel machte sich für seine Abreise bereit und nach dem er alles gepackt hatte, verabschiedete er sich  von seinen Kameraden und begab sich in Begleitung von Vollie und Chris zum Bahnhof von Frontignan. Die anderen warteten an Bord.
Als hätten sie ihre Rückkehr genau geplant, erreichten Vollie und Chris das Boot just zu dem Zeitpunkt als die Brücke sich hob, wir legten schnell ab und fuhren darunter hindurch.
Schon bei der Einfahrt in den Etang des Eaux blanches bemerkten wir den hohen Wellengang und den stetigen Wind. Erfreut über eine kleine Sturmfahrt passierten wir die Leuchttürme und fuhren hinaus auf den See. Hier wurde es dann langsam aber sicher ungemütlich, hohe Wellen und richtige Brecher schlugen auf dem Vordeck ein.  Die Leute auf dem Achterdeck zogen sich ihre Regenkombinationen an und versuchten bei schlechter Sicht die Fahrtrichtung zu bestimmen. Chris rief vorsorglich die Nummer der Hafenmeisterei an, um sich über die weitere Wetterentwicklung zu informieren. Die Hafenmeisterei  empfahl uns dringend sofort den nächst möglichen Hafen anzusteuern da das Wetter eher schlechter werden würde.
Kurze Zeit später waren wir uns einig das wir den Hafen von Méze ansteuern sollten.
Scampy versuchte das Boot einigermaßen kontrolliert in den Hafen zu fahren, jedoch der Wind und die Wellen ließen uns auf den Wellen schaukeln wie in einer Nussschale, wir schlugen an der Kaimauer ein und nehmen noch ein Absperrgitter mit. Als wir endlich festgemacht hatten beschimpfte uns die Hafenmeisterin, eine kleine runde Frau, und hieß uns die Piratenflagge am Heck sofort zu entfernen. Da wir aber immer noch mit dem Boot beschäftigt waren konnten wir dies nicht gleich tun. Sie schrie und gestikulierte immer wilder und auch ein paar Einheimische die dabei standen kamen immer näher. Als wir endlich den scheiß Lappen  eingezogen hatten, ging Chris und Cake in das Büro um die Formalitäten zu erledigen. Die Liegegebühr kostete nur 28 EUR und war verbunden mit der Benutzung der Dusche und Toiletten.
Unser Grillen fiel aus, da wir nicht an der Kaimauer unseren Grill aufbauen durften, also bereiteten wir unser Essen in der Kombüse zu und machten danach noch einen kleinen Spaziergang durch den Hafen.

Zu später Stunde begannen wir die restlichen Bierflaschen zu zählen und gerecht aufzuteilen.

 

Samstag, 29.April

So früh waren wir noch nie wach, 07:30 Uhr und das Boot fuhr bereits aus dem Hafen. Wir mussten uns sehr beeilen, nach unserem Plan brauchten wir mit dem Boot noch etwa 1,5 Stunden für über den See, anschließend konnten wir die gleiche Zeit für die anschließende Kanalfahrt mit Schleusen einrechnen. Während Stiffel über den See fuhr, konnten die anderen Frühstücken, danach wurde gewechselt um ihm auch die Möglichkeit zu geben etwas zu futtern.
Wir schleusten in Rekordzeit und dabei passierte uns fast noch ein Zusammenstoß! Etwa in Höhe PK235, kurz nach der Schleuse Bagnas passierten wir einen Schwimmbagger. Der Baggerführer konnte uns nicht sehen, da wir uns von hinten näherten und er noch dazu Ohrenschützer auf hatte. Wir fuhren also sorglos an dem Bagger vorbei und genau in dem Moment als wir mit dem Baggerführer auf gleicher Höhe waren erschrak der Mann und begann wild zu gestikulieren. Wir lachten und winkten zurück! Uns verging ganz schnell das Lachen als wir sahen, dass er seinen Bagger unten auf Pontons im Flussbett stehen hatte, die hatten wir nur knapp verfehlt! Wir hätten uns den ganzen Bootsrumpf aufreißen können. Sichtlich erschrocken fuhren wir weiter und erreichten zügig und ohne weitere Vorkommnisse, Agde.
Das Boot hatten wir schnell ausgeräumt und gereinigt. Der sehr freundliche Verleiher war uns dann noch behilflich und rief unseren Transferbus an, damit wir endlich an den Flughafen fahren konnten.
Es dauerte etwa 90 Minuten  bis wir abgeholt und nach Montpellier gegondelt wurden. Hier begann dann noch mal die Wartezeit bis zum Abflug, wir genehmigten uns ein paar Bier bis zum Check-In.
Der Rückflug verlief ohne besondere Vorkommnisse, auch Satchmo behielt seinen Mageninhalt bei sich. Pünktlich in Hahn gelandet wartete schon der nächste Bus auf uns und wir waren dann innerhalb von 2 Stunden zu Hause.

Das war das Ende der Fahrt 2006.