1998

Freitags wird der Anhänger bei Klaus gepackt. Dieses Jahr fahren wir nur zu sechst, das erste Mal nicht in Vollbesetzung!
Ralf mußte aus beruflichen Gründen von der Fahrt zurücktreten und so stehen diesmal nur 6 Mann beim packen zusammen oder vielmehr es laden nur 3 Mann den Hänger und der Rest steht rum und trinkt Bier.
Es ist richtig warm und alle freuen sich auf eine Fahrt mit Sonnenschein und Wärme. Die Abfahrt am Samstag findet mit Verspätung statt weil einige Leute wieder mal was vergessen haben, Hans fährt und weil alle Bier zum Frühstück zu sich nehmen müssen wir an fast jeder Raststätte oder Parkplatz halten um Ballast abzuwerfen. Obwohl wir den Weg kennen sollten verfahren wir uns und irgendwann weiß der Beifahrer keinen anderen Rat als eine junge Frau, die auf einer Landstraße läuft, auf Englisch nach dem Weg zu fragen. Leider kann sie uns auch nicht weiterhelfen meint aber ihr Vater wüßte bestimmt wie man Pontailler kommt. Wir bitten Sie in unseren Bus und sie steigt tatsächlich ein. Als wir bei ihren Elternhaus, eine Bauerei, ankommen fragen wir ihren Vater nach dem Weg nach Pontailler, die Verständigung erfolgt auf Englisch und ist entsprechend mühsam. Als Michel und Markus ein paar Worte auf Deutsch wechseln, gibt uns der Mann in hervorragendem Deutsch zu verstehen das er unsere Sprache spricht!
Wir sind alle überrascht und bei einer Dose Bier erfahren wir das er während seiner Militärzeit mehrere Jahre in Koblenz stationiert war, jetzt bekommen wir sogar eine kleine Wegskizze die uns letztendlich sicher zu unserem Hafen führt.


Dort angekommen müssen wir leider feststellen das unser Boot einen abgewirtschafteten Eindruck macht was sich später noch als richtig erweisen wird. Nach dem Beladen, der obligatorischen Einweisung und Proberunde übernehmen wir das Boot und verlassen Pontailler flußabwärts in Richtung Auxonne. Es ist herrlich warm und alle sind auf Deck, leider hat unser Boot nur einen Steuerstand und so stellt sich der Fahrer auf einen Hocker, schaut durch das geöffnete Sonnendeck und lenkt mit den Füßen. Das geht, solange man in Flußmitte fährt und keine Schleuse oder Engstelle kommt.

Unser erster Landeplatz ist unter einer Brücke, wir ziehen das Boot noch etwas näher ans Ufer und vertäuen es gut. Ralph ist unser heutiger DJ und wir feiern den 1. Tag mit deutschen Schlagern und etlichen Gläsern Paddys, manche sind so gut drauf das sie vor dem Überbordgehen gerettet werden müssen.
Am nächsten morgen machen wir das Boot los und wollen abfahren aber es tut sich nichts! Wir stecken fest, entweder ist der Flußpegel über Nacht gefallen oder wir haben am Abend das Boot zu nah ans Ufer gezogen. Es hilft nichts, wir müssen raus und schieben, alle Mann gehen ins Wasser, Gott sei Dank ist es schön warm, und schaukeln das Boot vom Ufer frei. Volker der leichteste bleibt an Bord und steuert. Endlich frei suchen wir in der Nähe einen besseren Platz und gehen alle an Bord, das erste Mal das so viele Mann im Wasser waren.
Kurze Stipvisite in Auxonne, nur wenige Cafes oder Lokale haben geöffnet. Wir beschließen weiterzufahren und uns einen schönen Platz fürs Abnedessen zu suchen. Am Abend will Michel wie verabredet sein Handy einschalten um für die Heimat erreichbar zu sein, aber er findet es nicht. Wir helfen alle bei der Suche und das ganze Boot wird umgegraben aber das Handy bleibt verschwunden.

Michel hat wirklich Pech als er sich am nächsten Tag unter Deck ein Bier holen will bläst der ständig wehende Wind sein Bayernkissen von Bord. Er stürzt sich todesmutig hinterher aber das Kissen geht unter wie ein Stein, ein Opfer an den Flußgott.
Wir treffen in St. Jean de Losne ein, über eine schmale steile Leiter erreicht man von der Kaimauer die Hauptstraße, alle außer Ralph sind dabei. Hans hat es fertig gebracht seine Schuhe zu Hause zu vergessen und muß sich welche kaufen. Im Schuhladen passiert ihm während der Anprobe ein gasförmiges Malheur und alle flüchten vor dem fürchterlichen Gestank nach draußen. Nach diesem Schock besuchen wir in einer Seitenstraße ein Café und trinken erstmal einen Pastisse, Michel muß sich vor den vorbeifahrenden Autos in Sicherheit bringen weil es sowas wie Rücksicht auf Fußgänger scheinbar hier nicht gibt. Bevor wir wieder an Bord gehen machen die Angler unter uns noch fette Beute, eine Kiste voll mit Maden. Heute ist es so warm das wir an einer Schafweide festmachen und alle ins Wasser gehen sogar Markus traut sich rein. Klaus und Hans zeigen was sie auf der Sumo Schule gelernt haben und legen einen harten Sumoringkampf hin. Hans gewinnt aufgrund seiner größeren Masse. Am Abend wird gegrillt und bei guter Musik gesungen und getanzt.

Dienstag scheint nicht der Tag von Markus zu sein, nicht nur das ihm tierisch schlecht ist, nein beim Versuch mit dem Eimer Wasser aus dem Fluß zu holen vergißt er glatt die Leine festzuhalten und schmeißt alles über Bord. Das gleiche ist ihm schon auf der letzten Fahrt passiert. In Chalon sur Saone fahren in eine kleine Marina ein und legen direkt vorne am ersten Steg an um Wasser zu tanken. Manche wollen duschen aber die Duschen sind geschlossen und wir trinken in der Stadt ein paar Bier. In der Hafeneinfahrt hat man anläßlich der WM ´98 Fußballsymbole auf den Uferrasen gemalt. Nachdem das Boot und wir voll sind fahren wir weiter. Gegen Abend finden wir einen Luxusanlegeplatz mit Steg! Leider hat der Steg ein großes Loch auf der linken Seite. Als Michel später friert und sich eine Decke holen will passiert es, er steigt rückwärts aus dem Boot und macht einen Schritt zur Seite, leider die falsche Seite, und macht einen Spagat ins Wasser. Wir holen ihn raus und öffnen gemeinsam die Geburtstagskiste die Ralf uns mitgegeben hat. Sie ist voll Bier und Chips und zur Krönung noch eine Flasche Sebstgebrannter! Wir beginnen gewissenhaft die Vernichtung des Inhalts, schaffen es aber nicht ganz sondern müssen vorher wegen Müdigkeit abbrechen.

Mittwoch morgen wird Alarmstart geübt, wir fahren sofort nach dem Warmlaufen los und frühstücken in Gruppen. Dazu muß Klaus aber erst von seinem Lager in der Kombüse aufgescheucht werden, dorthin ist er geflüchtet weil sein Kajütennachbar Ralph so schnarcht.
Plötzlich gibt der Motor komische Geräusche von sich und wir haben haben keine Steuergewalt mehr über das Boot!
Wir treiben führungslos in der Flußmitte und haben Glück das der große Frachter schon an uns vorbei ist, wir können nichts tun als uns mit dem Boot ans Ufer treiben zu lassen wo unser Aufprall nur durch Bäume gemildert wird. Notdürftig sichern wir das Boot und sind Anfangs ziemlich ratlos was weiter geschehen soll. Nach einiger Zeit kommt ein Freizeitboot mit Belgiern an uns vorbei, denen können wir mit Händen und Füßen verständlich machen das wir einen Motorschaden haben und Hilfe brauchen. Hilfsbereit wie sie sind nehmen sie uns an den Haken und ziehen uns bis zur nächsten Schleuse, bei der Anfahrt auf die Poller vergessen sie nur das wir ja ohne Steuergewalt sind und zeihen uns direkt auf einen dieser Riesenpoller zu. Wir können uns alle nur noch festhalten trotzdem ist der Aufschlag so groß das sich der Kühlschrank entleert und einige Flaschen und Tassen kaputt gehen. Unser Seil, mit dem wir an das andere Boot gebunden waren, läßt sich nicht mehr öffnen und so springt Ralph, zum Entsetzen der Belgier, mit einem Beil in der Hand wie zum Entern an Bord und durchtrennt es mit einem Hieb.
Klaus und Hans gehen zum Schleusenwärter, der kein Wort Englisch spricht, und versuchen ihm klar zu machen das wir einen Motorschaden haben und unsere Heimatbasis anrufen müssen. Er übernimmt das Gespräch und wir erfahren von ihm das in einer Stunde jemand kommt. Nach etwa 2 Stunden erscheint endlich der uns bekannte Hafenmeister und begutachtet erstmal den Schaden sein Anruf in Pontailler zeigt uns das er die notwendigen Ersatzteile nicht dabei hat und so vergehen noch mal 2 Stunden bis sein Gehilfe kommt. Jetzt ist es schon 16:00 Uhr und die Sonne brennt erbarmungslos herunter. Wir spannen unseren Sonnenschirm über der Motorluke auf damit die Jungs nicht total in der Sonne sitzen und geben ihnen auch zu trinken. Leider können wir in dem brackigen Wasser nicht schwimmen gehen so vertreiben wir uns die Zeit mit Domino spielen und Bier trinken. Klaus kocht fürs Abendessen Kartoffeln ab und stellt sie zum Abkühlen neben die Kombüsentür und Michel steigt prompt vom Oberdeck herab und direkt in die Kartoffeln rein, ein Riesengeschrei geht los und zeigt das Alle stark angespannt und unter Streß stehen.
Gegen 23:00 Uhr bricht das Reparaturteam die Arbeit ab und wir wollen wissen wie es jetzt weitergeht. Als sie uns keine genauen Angaben machen wollen haben wir die Schnauze voll und Hans und Klaus fahren mit nach Pontailler. Es ist eine abenteuerliche Fahrt da der Kastenwagen nur 2 Sitze hat muß Klaus hinten Platz nehmen.
Dort will man uns ein Ersatzboot schicken das aber erst gegen Mittag des nächsten Tages also Donnerstag bei uns sein könne. Leider haben wir keinen zeitlichen Spielraum und können auch nicht auf das Angebot eingehen bis einschließlich Sonntag zu fahren. Wir verlangen unsere Kaution zurück und der Hafenmeister verspricht uns bis 10:00 Uhr morgen früh die Reparatur wieder aufzunehmen und die Kosten abzurechnen. Auf der Rückfahrt mit Bus und Anhänger verfahren sich die beiden und als an einer Kreuzung ein scheinbar Betrunkener auf den Bus zukommt, aber im Hintergrund ein voll besetzter PKW mit abgeblendeten Licht wartet, ist denen beiden nicht so wohl und sie fahren mit Höchstgeschwindigkeit davon.

Donnerstag morgen beginnen wir das Boot zu entladen. Es ist sehr beschwerlich die ganzen Sachen ca. 4 m hoch zuziehen,
noch mehr macht uns der Frust zu schaffen das bis jetzt noch keiner von der Verleihfirma gekommen ist. Gegen 12:30 Uhr ist das Boot entladen und besenrein, wir machen noch ein trostloses Abschlußbild, steigen in den Bus und fahren ab.
Auf der Autobahn entlädt sich die gereizte Stimmung zwischen Hans und Ralph als dieser bei einem Überholmanöver einen Gang runterschaltet und den Motor laut aufheulen läßt. Es kommt zum Fahrerwechsel und Hans fährt den Rest nach Hause.

So ein trauriges Vatertagsfest hat hier noch keiner erlebt und bei Klaus angekommen nimmt jeder seine persönlichen Sachen und geht erstmal nach Hause. Eine Woche später bekommen wir einen netten Brief des Bootsverleihers in dem er sein Bedauern für den Schaden ausdrückte und uns ein gutes Angebot für nächstes Jahr machte. Dies war zwar keine Entschädigung der bis dahin so schönen Fahrt aber wir haben die höhere Gewalt akzeptiert. In Auxonne nehmen wir noch ein Abschlußessen ein und fahren dann nach Hause.

Der Frust und Ärger dieser Fahrt haben dazu geführt das einige bis dahin unausgesprochen Dinge wie feste Arbeitsteilung, Küchendienste und Urlaubsverhalten stark diskutiert wurden und zu einer, für alle, zufriedenstellenden Lösung führte.

ENDE, END, FIN

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