Reisebericht Yachtingcrew Millennium

Erinnerungen an die

Schleusenfahrt 1997

(26. April - 03. Mai)

Vorwort

Im Jahr 1997 waren wir das erste Mal über eine ganze Woche mit dem Boot unterwegs. Das während dieser Zeit unter sieben Mann Spannungen entstehen, noch dazu wenn schlechtes Wetter ist, scheint nur verständlich.
Trotzdem hatten wir viel Spaß, Kameradschaft wurde groß geschrieben und die Stimmung an Bord hat nie unter "emotionalen Aussetzern" Einzelner gelitten.

 

Wir fahren ins Elsaß!
Freitags wurde schon der Anhänger gepackt und wir treffen uns erstmals bei Klaus im Hof zur Abfahrt. Weil Harald seinen Bus am Montag wieder braucht haben wir einen Fahrer organisiert der die Kiste zurück fährt. Ralf, der Fahrer, bringt noch seinen Neffen mit, damit er nicht so alleine ist, aber damit macht er es uns im Bus sehr ungemütlich weil wir jetzt insgesamt zu neunt sind und der Bus nur 7 Sitzplätze hat!
Einer von uns quetscht sich noch auf die Bank aber ein Mann muß während der gesamten Fahrt auf der Getränkekiste Platz nehmen, die recht gut gefüllt ist und aus der wir uns auch schnell bedienen!
Auf jeden Fall sind wir schon recht früh in Mittersheim und der Verleiher will uns noch nicht an Bord lassen. Also erkunden wir die Gegend und entdecken zu unserer Freude eine kleine Hafenbar direkt nebenan. Alle Mann da rein und erstmal Pastis und Bier bestellt und alle elektronischen Spiele ausprobieren. Michel und Hans haben Zigarren dabei und kurze Zeit später hat jeder so ein Ding im Mund.

Stunden später machen sich Klaus und Ralf doch noch mal die Mühe nach dem Boot zu fragen und tatsächlich können wir endlich laden. Dabei sind wir doch schon geladen!
"Lecks am Arsch, sieben Tage lang" , so ist die Devise die Ralf ausgibt.

Schnell ist alles eingeräumt und wir wollen die Einweisung und weg, aber da macht der Hafenmeister uns einen Strich durch die Rechnung. Er erklärt uns das wir erst durch eine Schleusenkette von 7 Schleusen fahren müssen und das auch noch im Konvoi mit drei anderen Booten. Naja, was soll’s, denken wir so schlimm wird das ja nicht sein aber als wir an die erste Schleuse kommen sehen wir was uns erwartet: Man kann von einer Schleuse schon zur nächsten schauen die höchstens 1-2 Km weg ist und der Schleusenwärter fährt mit seinem Auto direkt neben auf der Uferstraße vor bis zur nächsten Schleuse!

So hatten wir uns das nicht vorgestellt, ein kurzer Blick in die Flußkarte zeigt uns das wir das noch mehrmals so zu sehen bekommen. An den Schleusen helfen wir dem Schleusenwärter damit es etwas schneller geht und damit keine Langeweile aufkommt nur das Boot hinter uns, besetzt mit Jungs aus Dresden, hält nicht viel von Zusammenarbeit und hilft beim Schleusen nicht mit.

Markus hat für die Fahrt Dosen mit JimBeam-Cola und Bacardi-Cola besorgt das ist der absolute Renner und jeder hat schnell 3-5 Dosen gepitscht die ihre Wirkung bald zeigen. Über den Weltempfänger informieren sich die Fußballinteressierten über die aktuellen Ergebnisse der Bundesliga, Volker hat dazu noch seinen kleinen Minifernseher dabei den wir aber bei strömenden Regen nicht aufs Deck stellen, genauso wenig wie die 32 Dosen Hausmacher Wurst die das Kernstück unseres Proviants bilden.

Endlich auf freier Strecke versucht Hans sofort den Motor zu tunen und holt auch tatsächlich ein paar Umdrehungen mehr raus. Zu guter Letzt wird dem Gashebel der Knopf abgeschraubt und mit dieser Aktion und den 100 Umdrehungen mehr, den anderen weggefahren. Nach Schleuse 8 von 15 machen wir fest und essen zu Abend. Es gibt wieder Nudel mit Bolognesesauce die Ralfs Mutter schon vorgerichtet hat. Alle sind ganz aufgeregt und halten sich
an die Dosen von Markus.

Der 2. Tag beginnt wie der erste aufgehört hat, mit Regen. Wir haben keine Chance uns lange unter Deck zu verkriechen da Elsaß ein Land der Schleusen ist und wirklich keine Stunde Fahrt vergeht bis die nächste kommt. Als endlich abzusehen ist das vor dem Hebewerk bei Arzviller nur noch eine Schleuse kommt hocken sich 7 Mann unter Deck und fangen aus Frust an zu würfeln und zu trinken, dabei werden 2 Flaschen Whiskey vernichtet. Zum Schleusen kommen immer weniger an Deck um zu helfen, viele sehen schon ziemlich verstrahlt aus (Markus, Michel, Ralph, Hans, Volker, Ralf und Klaus).

Beim Hebewerk angekommen ist wirklich keiner mehr nüchtern! Klaus läßt seinem Harndrang 42m tief freien Lauf obwohl hunderte von Japanern mit Kameras und Videos herumstehen und alles aufnehmen.
Unten angekommen läßt sich Ralf bei freier Fahrt von seinen Kameraden ablenken (Hans wirft mit Erdnüssen) und rammt mit voller Fahrt die Spundwand des Kanals. Der Aufschlag ist so groß das sich unten in der Kombüse der Kühlschrank übergibt und seinen Inhalt auf dem Boden verstreut. Das Boot hat an der Steuerbordseite eine riesige 60 cm lange Schramme und wir wissen nicht ob es noch dicht ist! Ralf bekommt seinen Führerschein abgenommen und Klaus übernimmt das Ruder.
Bei der nächsten Schleuse werden wir mit zwei weiteren Booten eingelassen und beim ausschleusen hat Klaus erhebliche Probleme das Boot wieder  herauszubekommen! Als es dann quer in der Schleuse steht bekommt auch Klaus seinen Führerschein abgenommen und ein anderer fährt heraus. Die beiden Scheinlosen sitzen jetzt gekränkt am Bug und trinken alleine Bier.

Wir fahren mitten durch Saverne was schon eine tolle Sache ist und der Hafen liegt direkt gegenüber dem Stadtschloß, tolle Aussicht. Stadtbummel ist angesagt, Ralph bleibt an Bord und paßt auf und will fischen. Wir suchen eine kleine Kneipe die auch Flammkuchen macht und finden einen schönen gemütlichen Laden. Hier bekommen wir Flammkuchen direkt aus dem Steinofen und dazu guten trockenen Rotwein wir dinieren bis zum Abwinken und gehen satt und zufrieden zurück zum Boot. Beim Einkaufen macht Michel eine Bemerkung über die weibliche Bevölkerung und muß erschreckt feststellen das man hier sehr gut Deutsch versteht. Ralph hat bis zu unserer Rückkehr natürlich keinen Fisch gefangen.

Auf dem Rückweg legen wir an einer Kaimauer an und prophezeien den dort liegenden Besatzungen das dies keine ruhige Nachtfür sie wird. Daraufhin flüchten zwei Boote. Wir machen aber auch nur kurz Halt und fahren nach dem Einkaufen weiter und legen für die Nacht vor einer engen Durchfahrt an. Im Ort ist nicht viel los und alle Kneipen haben zu, wir bekommen nur noch einige Flaschen Rotwein die Ralf besonders gut schmecken, leider muß er nach kurzer Zeit alles wieder rausbrechen. Während später alle unter Deck würfeln und Karten spielen kommt ein riesiges Flußschiff direkt an uns vorbei und wir erschrecken alle weil wir auch keine Positionslichter an haben.

Am nächsten Tag geht die Fahrt geht weiter Richtung Lagarde und wir kommen an die beeindruckende 16m Schleuse bei Richecourt. Hier bekommen wir für die weiteren Schleusen einen Signalgeber in die Hand gedrückt bei dem wir für das flußaufwärts Schleusen den blauen und für das flußabwärts Schleusen den roten Knopf drücken müssen. Nur wo ist in einem Kanal flußaufwärts oder flußabwärts?

Wir helfen uns indem wir beide Knöpfe drücken. In Lagarde machen wir in einem kleinen Hafen einen Stop weil am 1.Mai sowieso alle Schleusen zu sind.
Hans will für den Abend unbedingt in die Stadt um etwas Programm zu machen aber in diesem Ort sagen sich Hase und Fuchs gute Nacht, im Hafen liegend schauen wir dann auf Volkers Minifernseher ein Länderspiel der Deutschen Fußballnationalmannschaft. Es ist richtig warm und am 1. Mai fahren wir aus dem Hafen und legen 2 km weiter am Ufer an. Klaus nimmt das erste Bad im Kanal und Ralf, Markus und Michel machen eine vorbildliche Wende auf dem engen Kanal um mit dem Boot gleich richtig in Fahrtrichtung zu stehen.

Volker macht die Mannschaft darauf aufmerksam das man heute den Kometen Hale-Bob sehen kann, alle sind ganz aufgeregt und wir bringen es fertig die Sonne 3 Mal untergehen zu lassen. Während wir am Ufer liegen kommt ein Kanuwanderer aus England vorbei und nach kurzem Plausch laden wir ihn zum Essen ein. Volker hat seine Armbanduhr satt weil sie immer falsch geht und wirft sie kurzerhand ins Wasser.

Die alkoholischen Getränke gehen aus und das letzte was wir trinken ist Ralphs guter Schnaps, morgen müssen wir Getränke kaufen. Unser Dirigent Volker Leitzstein dirigiert den ersten Bootschor und aus der Ferne bekommen wir von Zuhörern Beifall. Ein paar von uns gehen zu dem anderen Boot und versuchen was zu trinken zu schnorren.

Auf der Rückfahrt erzählt uns der Schleusenwärter von einem Pub an der nächsten Schleuse und alle sind darauf sehr gespannt. Der Pub erweist sich als kleine Schänke im Wohnzimmer zweier alter Damen die einen noch älteren Laden haben. Als Hans den Laden betritt neigen sich die Holzschränke bedrohlich zur Mitte als ob sie sich vor uns verneigen. Die beiden Ladys wollen jedem von uns nur eine Flasche Bier (Liter) verkaufen weil sie sonst selbst nichts mehr haben. Wir kaufen jeder eine Flasche und Michel, Klaus, Hans und Markus gehen noch in den "Pub" einen trinken. Verwundert sehen sie das die anderen das Boot in die Schleuse ziehen weil Michel den Schlüssel einstecken hat.

Mittlerweile ist es so heiß das sich alle einen Sonnenbrand holen und aussehen als ob 7 Tage Sonnenschein gewesen wäre, besonders Markus muß mit seiner Platte unter der Sonne leiden.

Beim Einlaufen in den Heimathafen achten wir darauf die beschädigte Seite nicht zu zeigen und legen mit unserem Boot ganz nah am vorderen Boot
an so daß die Schadstelle nur schwer zu erkennen ist.

Das letzte Abendessen nehmen wir im Hafen zu uns und anschließend gehen wir noch in die uns bekannte Hafenbar. An diesem Abend sind auch viele Einheimische und wir bekommen nur schwer Platz, im Laufe des Abends beginnt sich unter den Einheimischen ein Streit anzubahnen und bevor jemand reagieren kann kommt es zu Handgreiflichkeiten. Der Unterlegene rennt aus der Bar und uns wird gesagt wir sollten besser gehen den der andere würde wieder zurückkommen und dann ein Gewehr dabeihaben. Wir entschließen uns den restlichen Abend an Bord zu verbringen und treten den Rückzug an. Am nächsten Morgen ist Abnahme. Bei einem unserer Crashs ging auch ein Fender verloren aber der Hafenmeister vergißt diese nachzuzählen und wir kassieren unseren Kautionsscheck und zerreissen ihn sofort. Harald holt uns mit dem Bus ab und wir fahren Richtung Heimat, unterwegs fällt an unserem Vehikel der Auspuff ab und Hans der Bordmechaniker befestigt ihn notdürftig.

Zu Hause angekommen versuchen wir erstmal wieder ins normale Leben zurückzukehren. Sieben Tage sind eine harte Zeit!

 

Nachwort


Diese Zeilen sind die gesammelten Erinnerungen aller Crewmitglieder, die nach Ansicht von Video und alten Bilder aufgefrischt wurden.
Auf der Rückfahrt waren sich alle einig das sieben Tage auf so engem Raum zuviel sind und wir im nächsten Jahr, falls wir wieder fahren würden,
doch nur noch ein verlängertes Wochenende planen sollten aber das ist eine andere Geschichte......

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