Reisebericht Yachtingcrew Millennium

 

Erinnerungen an die

Jungfernfahrt 1996

(01. - 04. Mai)

 

Epilog

Im Jahr 1995 heiratete unser Cousin Hans-Peter. Um einen stilgerechten Junggesellenabschied zu feiern lud er einige alte Freunde und uns , seine Cousins Klaus und Michael, ein bei einer Wochenendtour auf einem Freizeitboot mitzumachen. Es gibt nur wenige Bilder dieser Fahrt aber sie bleibt sicher allen Teilnehmern im Gedächtnis als ein tolles und aufregendes Erlebnis.
Im Jahr 1996, als es darum ging was mit unserer Bowlingkasse geschehen soll, war diese Fahrt der Grund für meinem Bruder Michael und mich die anderen Jungs davon zu überzeugen auch einmal so etwas zu unternehmen, also planten wir unsere Fahrt im Jahr 1996 nach Pontailler sur Saone. Da zu dieser Zeit niemand an ein Tagebuch oder gar einem Internetpräsentation dachte wurden auch keine schriftlichen Aufzeichnungen gemacht.
Alles was hier niedergeschrieben steht stammt aus den gesammelten Erinnerungen der Urbesatzung, diese bestand aus Hans K., Markus W., Ralf W.,
Volker L., Michael G., Ralph S., Klaus G. .

Treffpunkt am 01. Mai 1996 bei Volker, alle Jungs aus Sandhofen werden von Ralph mit dem Rotkreuz Bus abgeholt.

Ralph als engagierter Rettungssanitäter nimmt auch noch einen Erste-Hilfe Koffer mit, "falls wir auf der Fahrt einen Unfall sehen" und alle tragen einheitlich die schwarzen Schildkappen der Zerstörerflottilie.

Michel und Ralf waren scheinbar auf der Maifeier und sind leicht bis schwer angestochen, Michel bemerkt man eigentlich nur wenn er an seinem Bier nippt sonst hört und sieht man nichts von ihm. Bei einem der zahllosen Stops auf einem Rastplatz geht die Sirene und Blaulicht an!
Schnell sind alle zum Bus und wir machen uns aus dem Staub.

Mit der Anfahrt haben wir uns etwas verschätzt und sind früher da als gedacht, weil sich keiner auskennt sind wir unschlüssig ob wir mit dem Bus über die kleine Brücke fahren sollen oder nicht. Hans und Ralf als Vorauskommando klären die Lage und wir fahren rüber zum Hafen.

Wir beladen das Boot und bekommen unsere Einweisung über die Geräte an Bord, die Kojenbelegung wird ausgelost. Anschließend fahren wir raus auf die Saone und drehen ein paar Testrunden, das alles findet bei strömenden Regen statt und wir haben schon unsere wasserdichte Kleidung übergezogen. Wir verständigen uns in Englisch und nachdem wir uns sicher genug fühlen wird der Angestellte des Bootsverleihers mit einer Dose Bier in der Hand am Ufer abgesetzt.

Alle sind gespannt und voller Vorfreude trotz des strömenden Regens, wir taufen unser Boot mit einer Flasche Sekt auf den Namen `Brigitte` in Anlehnung an die BB.

Die Fahrt endet schon nach ca. 2 Km an einer Schleuse und wir versuchen durch Hupen und Rufen den Schleusenwärter zu veranlassen die Schleuse zu öffnen. Beim vielen Herummanövrieren geraten wir auf eine Sandbank und das Boot steckt fest! Nur mit großer Mühe und viele Male Vor- und Zurückfahren gelingt es uns das Boot wieder freizumachen. Jetzt erst schaut mal einer in der Flußkarte nach und tatsächlich da ist ja eine Sandbank eingezeichnet!! Und noch was steht in der Flußkarte:
am 1. Mai haben alle Schleusen geschlossen!!!

Jetzt da wir wissen an was es liegt suchen wir uns, nahe bei einer Hütte, eine Anlagestelle und machen fest. Hans entdeckt bei der Hütte eine Toilette und benutzt sie auch gleich in alter Manier, doch leider wird er von den aufgebrachten Besitzern verscheucht die so etwas gar nicht gerne sehen.

Zum Abendessen gibt es Spaghetti mit Bolognesesauce die schon zu Hause von Ralfs Mutter zubereitet wurde, alle sind richtig aufgedreht und wir feiern bis in die Morgenstunden.

Am nächsten Tag treffen wir einige notwendige Vereinbarungen, z.B. wird ab jetzt die Toilette unter Deck nur noch für große Geschäfte benutzt, gepinkelt wird vom hinteren Abtritt der zwar etwas schwankt aber dennoch die sauberste Lösung ist. Auch hat sich an der
Decke der Kabine Kondenswasser gesammelt und morgens war es feucht wie in einer Tropfsteinhöhle, hier beschließen wir trotz der Kälte die Fenster zumindestens über Nacht geöffnet zu lassen. Michel ist der erste der durch die Schleuse fährt, wir erreichen die Ortschaft Mantoche und machen unseren 1. Landgang und Einkaufsbummel. In einer kleinen Metzgerei kaufen wir Fleisch und unter großem Gejohle versucht Hans der Bedienung klar zu machen wie dick er gerne sein Steak hätte.

Ingenieur Ralf versucht sich beim Tauentknoten nicht die Hände schmutzig zu machen. Wieder auf dem Fluß geht unsere Deutschlandfahne über Bord und während Ralph hinten nach der Fahne versucht zu schnappen gibt Hans vorne noch mal Gas und versenkt sie fast. Aber zum Schluß fischt Michel sie noch heraus. Unser erstes Grillen findet wegen des Regens unter einer Brücke statt und hier draußen in der Wildnis ist es so finster das wir nur durch Volkers Lampe wenigsten einen Umkreis von 3m Sicht haben. Ralf findet den Rotwein und später den Wodka-Lemon so gut das er fast alles alleine trinkt, als alle schon in die Kojen verschwinden, feiert und tanzt er noch auf dem Vorderdeck sehr zur Freude von Hans und Volker die direkt darunter ihre Kojen haben. Michel erhält seinen Spitznamen ´Sitting Bull´.

Unsere 1. Tunnelfahrt wird mit hochprozentigen Schnaps gefeiert aber erst müssen wir unsere Fahne einholen weil der Mast zu lange ist und an der Tunneldecke kratzt, auf der anderen Tunnelseite wartet ein holländischer Binnenschiffer und zeigt uns im Vorbeifahren den Stinkefinger. Nach einem kurzen Stop zum Wassertanken fahren wir weiter und Hans zeigt einem Schleusenwärter was wir für schöne Lektüre dabei haben. Das Bier ist leer wir müssen nachkaufen zum Glück gibt es in Frankreich die praktischen Zwölfzylinder Kronenburg mit Drehverschluß, einige von uns haben Schwierigkeiten mit der neuen Technik.

Endlich mal kein Regen und wir finden einen schönen Anlegeplatz an einer Wiese, die Rinderherde die dort graste macht sich schnell aus dem Staub. Als wir so schön beim grillen sind und alle auf das Essen warten kommt doch tatsächlich so ein Stier her und will mal schauen was wir mit seinen Artgenossen machen und weil wir alle Helden sind, flüchten wir an Deck und in Sicherheit. Als Ralf der alte Bauer das sieht kommt er unter Deck raus und vertreibt die Herde mit einem Stock, wir können weiter grillen. Später am Abend beginnt es wieder zu regnen und wir gehen alle unter Deck um noch ein wenig zu würfeln und unsere Überraschungsgetränke beim Türmchenspiel zu vernichten.

Früh am Samstag morgen legen wir im Hafen von Pontailler an und haben das Gefühl die Verleiher sind froh das Boot heil zurück zu bekommen. Die Heimfahrt verläuft ruhig und man verabredet sich lose zu einem Nachtreffen. Erstmal duschen und was anständiges essen.

ENDE

 

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Aktualisiert am 06.03.2002 © by Yachting Crew Millennium